30/04/2019

Letztes Jahr wurden in Österreich 45.455 Ehen geschlossen. Für die gelungene Zelebrierung zumindest einiger jener besonderen Momente hat Elisabeth gesorgt. Denn als Hochzeitsplanerin arbeitet sie penibel auf jenen zukunftsweisenden Moment hin, an dem zwei Menschen nur noch „ja“ zueinander und zu einem gemeinsamen Leben sagen müssen. Da das Thema Heirat und die Liebe an sich Angelegenheiten sind, die mich bereits mein halbes Leben lang beschäftigen, wollte ich als nicht verlobte und nicht verheiratete Person genauer wissen, warum Elisabeth Hochzeiten wichtiger als so manchem anderen zu sein scheinen. Und sollte dem nun wirklich so sein, so wollte ich genauso erfahren, was ihre Leidenschaft für den Beruf nach vielen Jahren, in dieser noch recht jungen Branche, lebendig hält.

Er hat lange auf sich warten lassen

In Elisabeths Büro angekommen bleibt dann auf einmal nicht mehr viel Zeit, um Fragen zu stellen. Das Telefon läutetet: Ein Termin beim Floristen wird verschoben, ein neuer vereinbart. Bei der Frage nach einem Tortenakt macht sich ein freudiges Schmunzeln in dem Gesicht der geschäftigen Dame breit. Auf der letzten Hochzeit war es ein Zauberer. Business as usual also. Und so beantworten sich einige meiner Fragen von alleine: während ich immer noch darüber staune, dass sich der Winter und meine durch ihn verursachten Leiden endlich Richtung Vergessenheit verabschiedet haben, bemerke ich unweigerlich, dass der von mir langersehnte Frühlingsbeginn für Elisabeth weniger entspannend ist. Für sie beginnt mit ihm die Hauptsaison. Im Anschluss an ihr Telefonat frage ich dann doch nach und erfahre, dass dies für mittlerweile knapp 100 Hochzeitsplanern in Österreich ähnlich ist. Ob ich ihr trotz fordernder Momente die Begeisterung für ihren Job anmerke? „Ja“ trifft es hier wohl am besten.

Wenn man dafür bezahlt wird Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen

Der Beruf einer Hochzeitsplanerin kann also ziemlich busy sein. Doch geht es neben der professionellen Erledigung hochzeitstechnischer Angelegenheiten um noch viel mehr als die Auswahl von Brautsträußen und den auch hierzulande immer beliebter werdenden Rehearsal Dinners. So nimmt Elisabeth neben der Verantwortung jener Aufgaben auch Sorgen und Ängste ihrer Kunden auf sich. Und obwohl ich so weit von einer Hochzeit entfernt bin, wie Elisabeth davon entfernt ist jemals ihren Job an den Nagel hängen zu wollen, frage ich mich doch, ob ich einmal heiraten möchte. Würde ich mich trauen, jemandem ein so großes, ja fast riesiges Versprechen zu geben? Langsam dämmert mir, dass der Moment, in dem man den Bund der Ehe eingeht, ein ambivalenter sein muss, an dem Gefühle wie Glück, Hoffnung und Respekt Angst, Zweifel und wahrscheinlich einer Riesenmenge Stress gegenüberstehen.

Doch genug mit meinen imaginären Ausfügen in die Welt der Ehe. Ab geht es zu einer Locationbesichtigung. „Diese gehört nämlich nicht nur dazu, sondern ist sogar so wichtig, dass sehr viel
Recherche im Vorfeld erforderlich ist“, erzählt Elisabeth. „Es ist wichtig, dass ich immer auf dem neuesten Stand bin. Das betrifft Locations genauso wie die neuestens Dekorationstrends. Auch muss ich von Blumengestecken, Brautfrisuren und Make-Up Ahnung haben.“ Denn nicht selten, meint Elisabeth, wird sie auch in solchen Dingen von der Braut um Rat gefragt. Da muss sie wissen, was gut aussieht.

Wenn sich zwei trauen freut sich die Dritte

Wenn sie Kunden an einer Location trifft, muss sie manchmal auch Überzeugungsarbeit leisten, denn zukünftigen Brautpaaren fällt das Treffen von Entscheidungen oft schwer. Sogar Regiepläne gilt es für eine Hochzeit zu erstellen, damit alles wie geplant abläuft. Elisabeth zeigt mir, wie so ein Regieplan aussieht. Während ich diesen ungläubig mustere, muss ich mir eingestehen, dass es tatsächlich möglich ist, alles bis ins kleinste Detail zu planen und dass das richtige Timing anscheinend doch existiert.
„Ob Elisabeth verheiratet ist?“, schießt es mir auf einmal ein. „Und wer wohl ihre Hochzeit geplant hat? Als Wedding Plannerin hat sie sich den vermeintlich glücklichsten Moment im Leben zum Beruf gemacht. Doch wem hat sie wohl genug Vertrauen entgegengebracht, um ihre eigene Vermählung zu planen?“ Nun gut, ich muss ja wirklich nicht alles wissen, beziehungsweise möchte ich euch nichts vorweg nehmen! Denn bei einem Besuch bei der Seeanoli Gastgeberin könnt ihr dies und noch vieles mehr am besten selbst erleben. Doch eines verrate ich euch doch noch, bevor es für mich ab zum nächsten Gastgeber geht. Und zwar, was für Elisabeth nun das Schönste an ihrem Beruf ist: Und nein, es handelt sich nicht um das berühmt berüchtigte Jawort. Vielmehr ist es für sie ein Privileg, ihre Kunden ein Stück weit, zu jenem wichtigen Moment im Leben, begleiten zu können. Und für genau diesen scheut sie keinerlei Mühe, denn eine Hochzeit lässt sich schließlich nur selten zwei Mal feiern.